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     /   \         Server: marzen.de
    |     |        Datum:  22.07.2017
    |     |        Zeit:   10:36:42
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Ein Erfahrungsbericht und eine Warnung an alle, die sich über ihren
Androiden ärgern und zur iWelt wechseln wollen

Es hat mich erwischt. Aufgrund von Entscheidungen, die ich respektieren
muss, wurde mein Android (über den ich durchaus geflucht habe) durch ein
iPhone 5 ausgetauscht. Ich habe mich seelisch und moralisch darauf
vorbereitet, denn schließlich hatte ich ein gesundes Halbwissen aus
den Medien: Es wird mich einschränken, aber alles funktioniert intuitiv,
und superschick ist es auch noch.

Management Summary:
90er Jahre Webdesign, inkonsistentes User Interface, mangelhafte
Funktionalität und wirksamer Schutz gegen Behebungsbemühungen durch den
Nutzer.

Details, die mir in den wenigen Tagen ausgefallen sind:

- Die Tastatur zeigt auch dann Großbuchstaben auf den Tasten, wenn sie
  Kleinbuchstaben ausgibt. In welchem Modus sie ist, zeigt die linke
  Shift-Taste, die üblicherweise vom linken Daumen verdeckt ist.

  2014-12-29 Aktualisierung: Die App Swiftkey kann es

- Der Tastatur fehlen Cursortasten.

- Es lässt sich keine alternative Tastatur installieren.

  2014-12-29 Aktualisierung: Mit iOS 8 geht es

- Icons für Apps lassen sich nicht ausblenden, auch wenn man sie
  nirgendwo haben will und die App nicht deinstallieren kann, wie z.B.
  die Aktien-App.

- Icons für Apps lassen sich nicht frei positionieren. Leere Positionen
  zwischen den Apps sind nicht erlaubt.

- Das Mailprogramm zeigt nicht mehr Wörter pro Zeile an, wenn man das
  Telefon querhält, sondern vergrößert die Schrift eigenmächtig und
  nicht abschaltbar. Versuche, die Schrift mit zwei Fingern zu
  verkleinern bringen nicht mehr Wörter pro Zeile, und beim Loslassen
  ist die Schrift wieder so riesig wie zuvor.
  Es gibt nur ganz wenige Mailalternativen, die nicht fest an einen
  Mailanbieter gebunden sind. Die Alternative Seed Mail verhält sich im
  Querformat genauso bescheuert wie Apple Mail.

- Das Mailprogramm zeigt keine Header an. Jeder Depp kann mich anlügen
  wie er will.

- Kein standardisierter "Zurück"-Knopf. Vorgesehene Funktion meist oben
  statt unten. In manchen Apps je nach Funktion mal links oben, mal
  rechts oben.

- Der nervige "Whoosh"-Klang beim Versenden von SMS ist nicht abschalt-
  oder änderbar. Man kann das iPhone nur komplett stillschalten.

- Man kann Rufnummern, die in der Anruferliste angezeigt werden, vor dem
  Wählen nicht editieren. Das ist sehr nervig, wenn die Rufnummer (wegen
  fehlerhafter Telefonanlage) nicht ganz korrekt übertragen wurde, z.B.
  mit fehlender führender 0.

- Unsitte, auswählbare Bedienelemente nicht als Knopf zu kennzeichnen,
  z.B. "Zurück"-Text. Generell 90er Jahre-Webdesign mit unterstrichenen
  Wörtern als Knöpfe. Die Einstellung
  Einstellungen -> Allgemein -> Bedienungshilfen -> Tastenformen
  (hinterlegt Funktionswörter mit grauer Fläche) funktioniert selbst bei
  Apple-eigenen Apps (z.B. SMS versenden) nur bei den oberen
  Bedienelementen, nicht beim "Senden"-"Knopf".

- Keine Widgets (ohne Jailbreak), also keine Anwendungen, die eine
  einstellbare Zahl von Feldern auf dem Bildschirm belegen und z.B. in
  einer Reihe Uhrzeit, Datum, Wochentag und Wetter anzeigen.

- Für die Korrektur der mitgelieferten, dumpf klingenden und dröhnenden
  Ohrhörer ist eigentlich ein Equalizer erforderlich. Den hat Apple
  in der denkbar schlechtesten Weise implementiert. Man spürt den
  Widerwillen regelrecht, den die Programmierer gehabt haben müssen:

  1.) Nur definierte Presets, der Nutzer darf nicht selbst regeln.
  2.) Der EQ wirkt nur auf die Wiedergabe der Musik-App, nicht bei
      Streaming.

- Wenn man einer App (z.B. Telegram) beim ersten Lauf nicht gestattet,
  Push Messages zu verarbeiten, hat man erst mal verloren.
  Einstellungen->Mitteilungen->Telegram belügt einen. Man muss die
  App deinstallieren, 48 Stunden warten und dann erst wieder
  installieren. 24 Stunden reichten nicht.

- Das Gerät schaltet sich ungefragt ein, wenn
  - man ein Ladekabel mit angeschlossenem Netzteil einsteckt.
  - das Ladekabel bereits in PC und Gerät steckt und man den PC
    einschaltet.

Natürlich hat das iPhone auch Vorteile gegenüber einem Androiden:

- CalDAV- und CardDAV-Sync funktionieren out of the box, ohne
  Zusatz-Apps wie CalDAV Sync. Es ist überhaupt kein Problem, z.B. einen
  dienstlichen Lotus Notes Kalender und zwei private Owncloud-Kalender
  in einer Kalender-App einzublenden.

- Den Stecker des Ladekabels am Gerät kann man rumdrehen, und dann passt
  er auch. Sehr praktisch.

Das war es auch schon.

Linuxer und Android-Nutzer sind nicht für Steves iWelt geeignet. Wir
jubeln nicht über 90er Jahre UI-Design und sind nicht glücklich, die
gröbsten Schnitzer nicht mit alternativen Tastaturen und Launchern
ausbügeln zu können.

Es kann helfen, vor dem Wechsel einen Monat lang ein Bakelit-Telefon der
Post zu verwenden, eins mit Wählscheibe. Danach könnte einem ein iPhone
wie ein Fortschritt vorkommen.

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